Archivpädagogik

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Am 7. März 2008 fand in Karlsruhe die 9. Tagung der Archivpädagogik statt, das Thema lautete „Was steht denn da? 'Lesen' von alten Handschriften”. Das hat nicht unbedingt direkt etwas mit Stadtwikis zu tun, aber da es inzwischen immer mehr Lehrer/innen gibt, die Archivarbeit machen, auch fürs Stadtwiki, gibt's hier eine kleine Zusammenfassung mit Tipps. Denkbar wäre z.B. auch, im Rahmen der Projekttage der Schule ein bestimmtes Thema zu bearbeiten, mit den Kindern ein Archiv aufzusuchen und das Ergebnis im Stadtwiki zu dokumentieren.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Kindern und Jugendlichen Archivalien geben - „Ran an die Quellen”

Es wurde darauf hingewiesen, dass es auf jeden Fall besser ist, wenn die Kinder und Jugendliche zumindest einmal im Archiv waren und sich das angeschaut haben. Später kann man dann mit Kopien arbeiten. Ein Besuch im Archiv ist auch mit größeren (und sogar problematischen) Klassen möglich, wurde berichtet. Schüler lernen dadurch auch, wie Geschichte gemacht wird, und dass es manchmal auch nicht auf jede Frage eine Antwort gibt. Es geht auch nicht unbedingt um den Wissenserwerb, mehr um Methodenarbeit.

[bearbeiten] Lesen von alten Handschriften

Als Buchempfehlung dafür wurde „Deutsche Schreibschrift. Lesen und Schreiben lernen.” von Harald Süß genannt, dieser hat auch ein dazu passendes Übungsbuch rausgegeben: „Deutsche Schreibschrift, Übungsbuch”.

Besser wäre es für Schüler, nicht nur das Lesen zu lernen, sondern auch das Schreiben („Lesen durch Schreiben”).

[bearbeiten] Schreiben lernen

Erstmal muss man sich überlegen, welche Schrift man schreiben lassen will, zur Auswahl stehen 3 Schriften:

  • Kurrentschrift
  • Sütterlinschrift, ab 1911 von Ludwig Sütterlin entwickelt, Neigung von 90°
  • Offenbacher Schrift bzw. Koch-Hermersdorf-Schrift, Neigung von 75°

Hilfsmittel: Füller, besser Federhalter mit Tusche (Achtung Kleidung!), Schreibpapier mit Lineaturen, am besten Grundschulhelfte der 1. Klasse.

Tipps:

  • Buchstaben nicht von A-Z schreiben, sondern nach Gruppen aufgeteilt
  • Jedes Zeichen 10mal schreiben.
  • Üben von Worten: Eigener Name, Name der Schule, Ort
  • Dann Texte schreiben, z.B. Gedichte
  • Sütterlin-Schrift auch downloadbar

[bearbeiten] Lesen üben

Welche Texte sollte man lesen lassen? Hr. Dr. Rehm gab den Tipp, dass Texte aus dem 19. Jahrhundert besonders geeignet wären, da sie in der deutschen Kurrentschrift (siehe Weblink unten) verfasst sind. Wer das beherrsche, kann auch ältere Texte lesen, und erst ab 1940 wurde ja die lateinische Schrift eingeführt.

Schülern würde es sehr viel Spaß machen, diese „Geheimschrift” zu entziffern, die meisten seien mit Ehrgeiz dabei. An einem Karlsruher Gymnasium wurde bei einem Projekttag ein Kurs zum Lesen alter Handschriften angeboten, der in Konkurrenz zu durchaus anderen spannenden Themen stand: es mussten sogar zwei Kurse angeboten werden, so groß war die Nachfrage, und es wird derzeit auch weiter als AG fortgesetzt.

Tipps zu Lesen:

  • ähnliche Worte, Worte die unterschiedlich zur lateinischen Schreibweise sind
  • Wörter, die nicht erraten werden können
  • in Gruppen Texte mit Kurrentschrift entziffern, z.B. Werbeplakate, Kochrezepte von der Oma, alte Postkarte der Familie, alte Kinderbücher
  • nicht festbeißen an einzelnen Worten, sondern Sinn erschließen
  • Dann urkundliche Texte aus dem Archiv und Gang ins Archiv

Tipp von Hr. Dr. Rehm: Beim Lesen auf die Bänder achten. 3-Band-Buchstaben gibt es nur 4, Buchstaben mit Mittelband/Oberband und Mittelband/Unterband unterscheiden, der Rest, die Buchstaben im Mittelband, nach Sinn ergänzen. Nicht am Anfangsbuchstaben hängenbleiben, kann oft verschnörkelt sein.

Beim Lesen können auch nicht mehr gebräuchliche unbekannte Worte auftreten, daher ist evtl. noch ein Wörterbuch nützlich.

[bearbeiten] Beispiel-Vorgehen

Folgendes Vorgehen hat sich bei Schülern im Stadtarchiv Münster als brauchbar erwiesen:

Schüler bekommen einen Zettel mit Worten in Sütterlin und der A-Z-Entsprechung. Darauf sollen sie diejenigen Buchstaben einkringeln, die im Vergleich zur lateinischen Schrift anders sind. Dann können sie versuchen, ihren Vornamen zu schreiben, dies bietet sich auch für jedes Alter an. Auf einem Flipchart steht schon mal ein kurzer Willkommenstext in Sütterlinschrift, darauf soll dann jeder seinen Namen schreiben, Archiv-Mitarbeiter entziffern diesen dann (dies ist meist recht einfach möglich, außer vielleicht bei Kindern mit Migrationshintergrund).

Dann werden kurze Texte zeilenweise gelesen, Texte, die das jeweilige Alter ansprechen, z.B. über die Kindheit damals. Dafür kann man Hilfestellungen anbieten:

  • Texte sind bereits transkribiert, aber in Zeilen zerschnitten. Schüler müssen daraus den Text bilden.
  • Methode „Durchgezählt”: jede Zeile des Originaltextes bekommt eine Zeilennummer, Schüler nennen die Worte, die sie erkennen. Lehrer hilft beim Rest.
  • „Komprimiert”: Text ist bereits transkribiert, aber ohne Zeilenumbrüche, Schüler müssen diesen einfügen (bei besonders schweren Texten)
  • Lückentext bietet sich auch an.

Die Schüler sollen kein Handschriftenexperte werden, aber einen Einblick bekommen.

[bearbeiten] Weitere Tipps

  • Falls im Zuge von G8 die Zeit knapp ist: Denkbar wäre dies auch fächerübergreifend, z.B. Deutsch/Kunst/Geschichte.
  • Schüler haben oft weniger Probleme beim Lesen, als wir denken.
  • Lehramt-Studierende, die Probleme mit dem Lesen von Frakturtexten haben, können dies z.B. im Wikiprojekt Wikisource üben, indem sie Texte erst- und zweitkorrekturlesen.

[bearbeiten] Weblinks

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